Heimat ??? 8.5.16

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Es ist eigentlich genial, dass der links-liberale Kandidat für das Amt des österreichischen Bundespräsidenten auch mit dem Begriff „Heimat“ wirbt. Tatsächlich wurde dies von seinem politischen Gegner bereits kritisiert.

Seit vielen Jahrzehnten hatte der Begriff „Heimat“ in liberalen städtischen Kreisen einen etwas anrüchigen, etwas muffigen Beigeschmack. Alles was österreichisches Brauchtum war, war von der Hitlerei vereinnahmt und nicht wieder losgelassen worden. Trachten, Blasmusik, Schützenvereine, Bergkitsch fiel lange unter dieselbe Kategorie wie Burschenschaften, Blut-und-Boden-Literatur, eine bestimmte Art von Stammtischen.

Das österreischische Heimatbild war schwer zu stemmen, schwer zu definieren, historisch belastet, eher nationalistisch als patriotisch.“Heimat“ wurde als Gegenmodell zu Weltoffenheit definiert. Man überließ es den Rechten sich mit dem Thema zu befassen. Wie immer, wenn ein Thema ausschließlich von einer Gesinnungsgenossenschaft besetzt wird, kommt dabei nichts gutes heraus. Dieses Plakat zum Beispiel:

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Es wäre schön, wenn der Begriff „Heimat“ durchlüftet und wieder positiv besetzt würde. Das vertraute Orte, Menschen, Sprachen geliebt werden ohne dafür andere Orte, Menschen, Sprachen abzulehnen oder gar zu hassen. Es wäre obendrein schön, wenn eine Wahlkampagne ausnahmsweise Inhalte transportieren würde.

16.4.16 – Näher an die Nachbarn ??

Im Eingangsbereich des Hauses in dem ich wohne, gibt es mehrere Anschlagtafeln, die immer wieder auch für private Nachrichten genutzt werden. „Bei Nr 17 wird das Bad renoviert. Wir entschuldigen uns für die Lärmbelästigung“ „Die Bücher auf dem Kastl sind zur freien Entnahme“. „Ich feiere am Samstag meinen Geburtstag, alle sind herzlich eingeladen, es wird laut“. Seit einigen Wochen hängt da auch der Hinweis auf eine Plattform namens „fragnebenan“mit einer Einladung sich daran zu beteiligen.

Nun habe ich in diese Plattform reingeschaut und sie hat mir gut gefallen. Da geht es um verschiedene Arten von Nachbarschaftshilfen und Vernetzungen. Man wird gebeten anzugeben, was man anbieten möchte und was man brauchen könnte. So weit so gut. Ich wollte mich schon anmelden.Dann ist mir aber beim Ausfüllen des Anmeldeformulars etwas mulmig geworden, weil da Name und genaue Adresse und ein Foto verlangt werden. Die Kombination dieser drei Infos zu meiner Person habe ich bis jetzt überall vermieden. Mir ist schon klar, dass google diese Infos in Bruchteilen von Sekunden zusammenstellen kann, aber ich habe auf keiner Plattform jemals meine Adresse angegeben, auch nicht meinen Namen in Verbindung mit einem Foto. Ist das übertrieben, ist das gescheit, ich bin mir nicht sicher.

Nachdenklich geworden bin ich überhaupt. Auf den ersten Blick hat mir die Sache sehr gut gefallen, auf den zweiten denke ich mir, naaaaa jaaaaa, möchte ich wirklich mit vielen Leuten, die gleich gegenüber oder um´s Eck wohnen in näheren Kontakt kommen ? Wenn man ganz in der Nähe wohnt, ist es äußerst mühsam, Leute, mit denen man doch nichts weiter anfangen kann, wieder loszuwerden. Da sind für mich Theorie und Praxis sehr weit auseinander.

Möchte ich mich wirklich freiwillig in so eine Art Dorfsituation begeben ? Schließlich schätze ich die Anonymität der Großstadt durchaus und eigentlich bin ich mit dem mittelnahen Verhältnis zu meinen Hausnachbarn  zufrieden.Bisher bin ich ja noch nie auf den Gedanken gekommen Freundschaften nach dem Kriterium „wohnst du in meiner Nähe“ einzugehen. Manchmal gibt es da angenehme Überraschungen, wenn jemand den/die ich kennen und schätzen gelernt habe zufällig in der Nähe wohnt. Das war bisher die Reihenfolge der Geschehnisse beim Kennenlernen von wem auch immer. Möchte ich diese Reihenfolge verändern ?

War es nicht überhaupt eine Schnapsidee mich an dieser Plattform beteiligen zu wollen ? Da werde ich jetzt lange darüber nachdenken, erfahrungsgemäß sehr lange …