Wiiiiiiind ….. 1.5.16

Am liebsten würde ich die Flügel ausbreiten, die Hände mit geschlossenen Fingern hinauf und wieder hinunter drehen. Auf dem Foto sieht man gar nicht, wie ich auf dem Wind liege und die weite, blaue Weste samt Schal in den Luftströmungen getragen wird.

Hat mehr was hexenartiges das Foto. Macht ja nix, Hexen fliegen doch auch, oder ?

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Ich habe versucht, den Wind in den Gräsern abzubilden, die grünen Wirbel, die sich innerhalb der diszipliniert stehenden Pflanzen bilden, die eleganten Wellenbewegungen. Auf diesem Bild sieht man es nicht wirklich;  eine Luftaufnahme, zum Beispiel vom Hexenbesen aus  wäre natürlich hilfreich gewesen. Fliegen Hexen auch bei Sonnenschein ? Warum nicht, sind ja keine Vampire, oder ? Ich muss mich da kundiger machen, eindeutig …

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Die Landschaft war so strahlend. Der Mitlebende und ich haben uns das durch die vielen Grünschattierungen erklärt, vor allem durch die ganz frischen, leuchtenden Grüns. Dazwischen die sonnengelben Rapsfelder und auch noch verschneite Berge im Hintergrund. Das erinnert mich an die glühenden Orangenbäume vor dem verschneiten Panorama der Sierra Nevada in Andalusien.

Ich liebe auch klare Formen in der Natur. Gepflügte Felder, die auch noch einen interessanten Umriss haben. Eindeutig bin ich ein überzeugter Stadtmensch, aber manchmal wenn der Wind mich übers Land weht …….

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24.4.16 – Auf Augenhöhe

„Alle Menschen haben die gleiche Sehnsucht glücklich zu sein, wahrgenommen und geliebt zu werden“ sagte der Lama „kulturelle Unterschiede sind nur eine dünne Schicht“

Prinzipiell gebe ich ihm da recht, nur was ist, wenn es nicht gelingt, diese dünne Schicht abzubauen, wenn es nicht gelingt gemeinsam bis zu jenem Punkt vorzustoßen an dem das Menschsein nackt und ehrlich zu spüren ist ?

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Ich war bei einem buddhistischen Vortrag. Es gab da inhaltlich nichts neues zu hören, aber es ist doch immer wieder inspirierend.

Was mich an buddhistischen Gruppierungen immer wieder von neuem irritiert, ist die Art des Umgangs mit den Lamas und sonstigen buddhistischen Lehrern. Viele westliche SchülerInnen betreiben eine  Verehrung ihrer Gurus, die  ich unangemessen, ja geradezu peinlich finde. Tiefe Verbeugungen, Verwendung unendlich langer Titel, Einschenken von Wasser oder Servieren von Getränken und Speisen in einer Haltung, die  ich nur als devot bezeichnen kann. Manche werfen sich sogar auf den Boden. Möglicherweise ist es kleinlich von mir, aber es stört mich nun einmal. Allerdings ist  mein Eindruck oft der, dass viele der Lehrer dies geschehen lassen ohne von sich aus Wert darauf zu legen.Sie verhindern es aber auch nicht.

So sehr mich viele Inhalte buddhistischer Philosophie ansprechen, so sehr stört mich diese Art der Kommunikation.

22.4.16 – Jules Anregung kommt gerade richtig

Ich wollte so einen Frustartikel schreiben „Und da hat doch tatsächlich…… unglaublich … etc pp.“

Betrachtungen über ein Stück Krempel sind  viel interessanter. Schrauben, Nägel, Dichtungen und ähnliches fallen zwar nicht so unter mein Beuteschema, aber dieses Teil, das kein Krempel im engeren Sinn ist, habe ich schon sehr lange. Es liegt vor meinem Computerbildschirm und ich nehme es immer wieder in die Hand und poliere dabei die vielen Flächen.

Es ist ein Wirbel irgendeines großen Säugetiers. Es könnte, von der Größe her, auch ein menschlicher Wirbel sein. Ich weiß es nicht mehr. Bevor jetzt jemand glaubt, dass ich nächtens mit einer Schaufel ausgerüstet auf Friedhöfen oder Anatomieinstituten herumschleiche, muss ich wohl den Ursprung dieses schönen Stücks erklären. Es ist ein Überbleibsel aus Studienzeiten. Damals habe ich des öfteren auch Vorlesungen und Praktika sowohl bei den Zoologen als auch bei den Anthropologen besucht. Zu Zeiten als ich studiert habe, in den späten Siebzigerjahren, konnte man sich noch gleichzeitig an allen Fakultäten frei herumtreiben.

Dieser schöne Wirbel mit seinen vielfältigen Strukturen liegt nun seit Jahrzehnten auf meinen jeweiligen Schreibtischen herum und hat alle Übersiedlungen und Ausmistaktionen souverän ignoriert.Unser gemeinsamer Weg ist also schon ein recht langer.

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Als ich vor ein paar Jahren einen Bandscheibenvorfall hatte, habe ich den Wirbel auch oft betrachtet und mir vorgestellt durch welche Löcher, die Nerven laufen und wie leicht sich da irgendetwas verhaken kann. Er ist also eine Mischung aus Erinnerungsstück und Anschauungsobjekt.

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18.4.16 – Erträglich sportlicher Sport ?

Das ideale Spiel für ältere Damen soll ja Bridge sein. Leider interessiert mich das überhaupt nicht. Da könnte ich mich für Golf schon eher erwärmen.

Wenn ich allerdings bedenke, wie ähm …… mäßig gut ich beim Minigolfspielen immer war, ist das vielleicht auch nicht so ganz das richtige.

Erleichtert stelle ich fest, dass ich lieber doch keinen neuen Sport lernen möchte. Auch nicht um auf einem so attraktiven Golfplatz wie dem irischen auf dem Foto spazieren gehen zu können. Wie man sieht, geht das ja so auch.

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16.4.16 – Näher an die Nachbarn ??

Im Eingangsbereich des Hauses in dem ich wohne, gibt es mehrere Anschlagtafeln, die immer wieder auch für private Nachrichten genutzt werden. „Bei Nr 17 wird das Bad renoviert. Wir entschuldigen uns für die Lärmbelästigung“ „Die Bücher auf dem Kastl sind zur freien Entnahme“. „Ich feiere am Samstag meinen Geburtstag, alle sind herzlich eingeladen, es wird laut“. Seit einigen Wochen hängt da auch der Hinweis auf eine Plattform namens „fragnebenan“mit einer Einladung sich daran zu beteiligen.

Nun habe ich in diese Plattform reingeschaut und sie hat mir gut gefallen. Da geht es um verschiedene Arten von Nachbarschaftshilfen und Vernetzungen. Man wird gebeten anzugeben, was man anbieten möchte und was man brauchen könnte. So weit so gut. Ich wollte mich schon anmelden.Dann ist mir aber beim Ausfüllen des Anmeldeformulars etwas mulmig geworden, weil da Name und genaue Adresse und ein Foto verlangt werden. Die Kombination dieser drei Infos zu meiner Person habe ich bis jetzt überall vermieden. Mir ist schon klar, dass google diese Infos in Bruchteilen von Sekunden zusammenstellen kann, aber ich habe auf keiner Plattform jemals meine Adresse angegeben, auch nicht meinen Namen in Verbindung mit einem Foto. Ist das übertrieben, ist das gescheit, ich bin mir nicht sicher.

Nachdenklich geworden bin ich überhaupt. Auf den ersten Blick hat mir die Sache sehr gut gefallen, auf den zweiten denke ich mir, naaaaa jaaaaa, möchte ich wirklich mit vielen Leuten, die gleich gegenüber oder um´s Eck wohnen in näheren Kontakt kommen ? Wenn man ganz in der Nähe wohnt, ist es äußerst mühsam, Leute, mit denen man doch nichts weiter anfangen kann, wieder loszuwerden. Da sind für mich Theorie und Praxis sehr weit auseinander.

Möchte ich mich wirklich freiwillig in so eine Art Dorfsituation begeben ? Schließlich schätze ich die Anonymität der Großstadt durchaus und eigentlich bin ich mit dem mittelnahen Verhältnis zu meinen Hausnachbarn  zufrieden.Bisher bin ich ja noch nie auf den Gedanken gekommen Freundschaften nach dem Kriterium „wohnst du in meiner Nähe“ einzugehen. Manchmal gibt es da angenehme Überraschungen, wenn jemand den/die ich kennen und schätzen gelernt habe zufällig in der Nähe wohnt. Das war bisher die Reihenfolge der Geschehnisse beim Kennenlernen von wem auch immer. Möchte ich diese Reihenfolge verändern ?

War es nicht überhaupt eine Schnapsidee mich an dieser Plattform beteiligen zu wollen ? Da werde ich jetzt lange darüber nachdenken, erfahrungsgemäß sehr lange …

8.4.2016

Es gab Zeiten in meinem Leben in denen es ausgesprochen emotional zuging. Das war streckenweise ungemein kribbelnd, euphorisch, lebendig, aber über längere Strecken war es auch ziemlich nervenvernichtend. Jeden Tag dramatische Geschehnisse, ständig die „große Liebe“ ist auf die Dauer ermüdend.

Wer solche Zustände nicht erlebt hat, wird das nicht verstehen. „Große Gefühle sind doch herrlich“ höre ich. Ja, ja, prinzipiell und theoretisch schon, wenn sie aber dazu führen, dass man in einem Zustand ständiger Überdrehtheit lebt und von einem Höhepunkt in den nächsten fällt, wird das zuviel und es bleibt auch immer alles an der Oberfläche, weil die Geschwindigkeit der Geschehnisse eine Vertiefung gar nicht zuläßt

Heute lebe ich ziemlich ausgeglichen, was mir manchmal schon fast unheimlich wird. Dieser unaufgeregte Zustand der Zufriedenheit, in dem ich in den letzten Jahren lebe, ohne große Aufreger, ohne Dramen ist mir neu.

Das Ziel ist nun die Intensität in die Tiefe gehen zu lassen, das wirklich Auskosten der Dinge auch ohne Feuerwerk und Glamour. Eine reifere Liebe zu Menschen und der Welt im allgemeinen.

Weise oder giftig ist die Frage

Von den „klassischen“ Ängsten des Altwerdens weiß man ja schon als jüngerer Mensch Die Angst vor dem Tod, dem eigenen und jenem geliebter Menschen, vor dem Leiden, vor der Einsamkeit, vor dem Verlust der körperlichen und geistigen Fähigkeiten. Alles bekannt, aber während einiger Jahrzehnte leicht zu verdrängen. Warum sollte man sich mit 20, 30, 40, 50 mit dem Altwerden beschäftigen, das ist ja noch so unendlich weit weg, falls es nicht überhaupt nur die anderen betrifft. Das ist keine rationale Überlegung, sondern das jugendeigene Gefühl, dass das Leben unendlich ist.

Genauso ging es mir natürlich auch. Ich hatte viele Jahre lang einen Partner, der viel älter war als ich und das unterstützte meine immerwährende-Jugend-Illusion. Jetzt habe ich einen Partner, der viel jünger ist als ich und das führte schon vor einigen Jahren dazu, dass ich begann mich mit dem Thema „Alter“ etwas intimer auseinanderzusetzen.

Nun bin ich kürzlich 60 geworden und finde, dass ich gar keine Lust habe mit gleichaltrigen  oder jüngeren (vor allem) Frauen im Bereich Jugendlichkeit zu konkurrieren. Ich finde es auch recht nervig, dass der gesellschaftliche Konsens offenbar darin besteht, dass man sich so lange wie irgend möglich jung und fit zeigt, koste es was es wolle, auch die eigene Lebensqualität, und dann, wenn das gar nicht mehr geht tunlichst aus dem öffentlichen Leben verschwindet um andere nicht nervös zu machen. Für ein entspanntes Altwerden ist wenig Raum vorhanden und wenig Respekt.

Ich bin weder körperlich schwer behindert noch senil und hoffe beide Zustände noch nicht bald oder möglichst gar nicht zu erreichen, aber es besteht doch ein deutlicher Unterschied zwischen 30 und 60, im physischen und psychischen. Dies zu leugnen finde ich dumm und selbstschädigend. Diese Tatsachen zur Kenntnis zu nehmen und gut damit zu leben scheint mir der beste Weg zu sein. Dazu gehört eine nicht schmerzfreie Offenheit zu sich selbst.

Mein Beruf bringt es mit sich, dass ich täglich von jungen Menschen umgeben bin. Die 20jährigen Mädchen mit den strahlenden Augen, den vollen Haaren und der jungen Haut hüpfen scharenweise um mich herum. Meistens lösen sie bei mir freundliche Gefühle aus, Wohlwollen, Verständnis, Geduld, aber es gibt auch Momente in denen mich der Neid packt und die Vorstellung wie gerne ich auch noch das ganze Leben vor mir hätte. Die jungen Männer lösen wieder andere Gefühle aus, die sich im Laufe der Jahre nicht so stark verändert haben. Von  „so also sind sie wenn sie noch ganz jung sind“ bis zu „Wow, hat der einen schönen Körper“

Der eindeutigste Hinweis dafür, dass ich alt werde, ist für mich das sich verändernde Körpergefühl. Ich empfinde immer stärker wie sehr der Geist vom Körper abhängig ist, dass langsam, sehr langsam der Körper die Kontrolle über den Geist übernehmen wird.

Bis dahin ist noch Zeit und diese Zeit gedenke ich angenehm und sinnvoll zu nutzen. Das ist zumindest der Plan

Ich beteilige mich hiermit am Projekt von Frau Quadratmeter

 

Weitere basics

28.3.2016

Mein Partner ist sehr viel jünger als ich, ganze neun Jahre. Dieser Altersunterschied gehört auch zu meinen inneren Themen. Ich bin 60, also wahrhaftig nicht mehr jung, er ist 51 also noch nicht alt. Wir treffen uns wohl irgendwo in der Mitte.

Das Problem, das ich damit habe ist, dass ich annehme, dass er ein Problem damit haben könnte. Ein verworrener Satz, aber ein klarer Tatbestand.

Beziehungsüberlegungen und Bestandsaufnahmen gehören unbedingt zu den Themen über die ich hier schreiben möchte. Allerdings möchte ich nicht allzuviel über die Person meines Partners schreiben, schließlich habe ich ihn nicht gefragt, ob es ihm recht ist in diesem Blog vorzukommen und habe auch nicht die Absicht das zu tun.

Ich bin derzeit keine Schreiberin von langen Texten. Vielleicht ändert sich das, oder auch nicht. Ich möchte mich langsam an die Sache annähern. Langsam und präzise, was ja nicht heißen muss, dass ich nicht einmal einen hochemotionalen Text von Tausenden Wörtern schreibe, oder gar öfter. Womöglich werde ich zu einer Schreiberin langer emotionaler Texte. Der Mensch hat ja viele Facetten.

Erstes posting

27.3.2016

Es steht hier einmal der Entschluß einen blog zu schreiben, der weder der Eitelkeit noch der Verschleierung verpflichtet ist. Er soll auch nicht einem bestimmten Thema gewidmet sein, nicht meinem Beruf, keinem meiner Hobbies, auch nicht den Äußerlichkeiten meines Lebens. Thema ist, was ich gerade Lust habe zu schreiben. Ich möchte mit mir selbst und gerne auch mit Gleichgesinnten ins Gespräch kommen. Worüber geschrieben wird, wird sich ergeben ……

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