16.4.16 – Näher an die Nachbarn ??

Im Eingangsbereich des Hauses in dem ich wohne, gibt es mehrere Anschlagtafeln, die immer wieder auch für private Nachrichten genutzt werden. „Bei Nr 17 wird das Bad renoviert. Wir entschuldigen uns für die Lärmbelästigung“ „Die Bücher auf dem Kastl sind zur freien Entnahme“. „Ich feiere am Samstag meinen Geburtstag, alle sind herzlich eingeladen, es wird laut“. Seit einigen Wochen hängt da auch der Hinweis auf eine Plattform namens „fragnebenan“mit einer Einladung sich daran zu beteiligen.

Nun habe ich in diese Plattform reingeschaut und sie hat mir gut gefallen. Da geht es um verschiedene Arten von Nachbarschaftshilfen und Vernetzungen. Man wird gebeten anzugeben, was man anbieten möchte und was man brauchen könnte. So weit so gut. Ich wollte mich schon anmelden.Dann ist mir aber beim Ausfüllen des Anmeldeformulars etwas mulmig geworden, weil da Name und genaue Adresse und ein Foto verlangt werden. Die Kombination dieser drei Infos zu meiner Person habe ich bis jetzt überall vermieden. Mir ist schon klar, dass google diese Infos in Bruchteilen von Sekunden zusammenstellen kann, aber ich habe auf keiner Plattform jemals meine Adresse angegeben, auch nicht meinen Namen in Verbindung mit einem Foto. Ist das übertrieben, ist das gescheit, ich bin mir nicht sicher.

Nachdenklich geworden bin ich überhaupt. Auf den ersten Blick hat mir die Sache sehr gut gefallen, auf den zweiten denke ich mir, naaaaa jaaaaa, möchte ich wirklich mit vielen Leuten, die gleich gegenüber oder um´s Eck wohnen in näheren Kontakt kommen ? Wenn man ganz in der Nähe wohnt, ist es äußerst mühsam, Leute, mit denen man doch nichts weiter anfangen kann, wieder loszuwerden. Da sind für mich Theorie und Praxis sehr weit auseinander.

Möchte ich mich wirklich freiwillig in so eine Art Dorfsituation begeben ? Schließlich schätze ich die Anonymität der Großstadt durchaus und eigentlich bin ich mit dem mittelnahen Verhältnis zu meinen Hausnachbarn  zufrieden.Bisher bin ich ja noch nie auf den Gedanken gekommen Freundschaften nach dem Kriterium „wohnst du in meiner Nähe“ einzugehen. Manchmal gibt es da angenehme Überraschungen, wenn jemand den/die ich kennen und schätzen gelernt habe zufällig in der Nähe wohnt. Das war bisher die Reihenfolge der Geschehnisse beim Kennenlernen von wem auch immer. Möchte ich diese Reihenfolge verändern ?

War es nicht überhaupt eine Schnapsidee mich an dieser Plattform beteiligen zu wollen ? Da werde ich jetzt lange darüber nachdenken, erfahrungsgemäß sehr lange …

6 Gedanken zu “16.4.16 – Näher an die Nachbarn ??

  1. Die Zurückhaltung kann ich verstehen. Hab mal ein wenig recherchiert. In einer Sendung des ORF sagt der Plattform-Erfinder: „Notwendig ist die Preisgabe der Daten auf der Plattform allerdings nicht, wie Theißbacher versichert: „Die Privatsphäre bleibt damit gewahrt.“ Lediglich den Betreibern muss Identität und Wohnort bekannt gegeben werden. Der Username darf selbst ausgewählt werden und wenn das Konto gelöscht wird, dann ist es auch tatsächlich gelöscht.“

    Zum Glück habe ich zwei amtliche Namen, einen für die Netzpublikationen und einen wirklich privaten. Das geht inzwischen in Deutschland. Man muss nur nachweisen, dass man unter dem Künstlernamen schon publiziert hat oder anderweitig tätig war.

    Gefällt mir

    1. Oh, das ist interessant. Ich bin gleich vor dem Anmeldeformular zurückgeschreckt und habe mich gar nicht weiter informiert. Herzlichen Dank für die Info !
      Zwei amtliche Namen haben zu können, dürfte eine wirklich gute Lösung für Profi-Schreiber sein, für Hobbie-Blogger reicht wohl ein Nick.

      Gefällt mir

  2. Halte ich für sehr sinnvoll, sich im Netz etwas bedeckt zu halten. Anders als im wahren Leben ist Information hier beliebig verknüpfbar, und nicht nur von den netten Menschen, mit denen man’s direkt zu tun hat. Interessant jedenfalls, daß offenbar auch Städter sich ihr kleines Dorf wünschen –! ,)

    Gefällt 1 Person

  3. Herbert Fensterheim schrieb schon 1977: Sag nicht ja, wenn du nein sagen willst.
    Wer diese Kunst beherrscht, kann getrost mitmachen. Allerdings haben die Beobachtungen der letzten 6 Jahre gezeigt, dass viele nachher überfordert sind, weil ihre Bereitschaft als lebenslange Verpflichtung angesehen wird.
    Drum prüfe … 😉

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s